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Bei 300 Maß wurden die Tachinger schwach

Pallinger Feuerwehr in Taching beim Patenbitten
 


 

Da staunten die versammelten Tachinger Feuerwehrler nicht schlecht, als ein sonderbarer Martinszug in den Tachinger Bergwirtssaal einzog: Die Pallinger Feuerwehr zog mit selbstgebastelten Maßkruglaternen in den Saal ein und gaben den Klassiker „Ich geh mit meiner Laterne“ zum Besten – alle 9 Strophen natürlich! Während sie anfangs noch vorgaben, mit ihrem Zug alle Pallinger Wirte zu besuchen, und da gehöre der Tachinger Bergwirt, der ja quasi auf Pallinger Grund stehe, auch dazu, rückten sie dann langsam mit der Sprache heraus: Die Pallinger Wehr feiert nächstes Jahr ihr 150jähriges Gründungsfest und sucht noch einen Paten. Den könnten ja schnell die Tachinger machen, schließlich waren die Pallinger ja der Patenverein 2009 beim Tachinger Gründungsfest. Doch so einfach wollten die Tachinger da nicht mitmachen.

Musikalisch umrahmt von der Pallinger Blaskapelle unter der Leitung von Konrad Geierstanger ließ man das erstmal sacken und nahm dann doch Platz – obwohl der Pallinger Kommandant zuvor je schon über eine „Doppelbelegung“ des Saals gemunkelt hatte.

Nachdem der Moderator Hans Schuster einige Gstanzeln zum besten gegeben hatte, über Hubwagenrennen der Pallinger beim Tachinger Fest 2009, dass die Pallinger ja nur deshalb ein Gründungsfest feiern, damit sie mal nicht als letzter bei einem Zug gehen müssen und dass dem Pallinger Bürgermeister schon mals das Heu von seiner Wiese weggepresst wurde, mussten der Pallinger Vorstand Bernhard Jäger und der Festleiter Stefan Perschl erstmal ihr Feuerwehrwissen unter Beweis stellen. Und für jede falsche Antwort musste die restliche Pallinger Vorstandschaft dann eine Maß aus dem „Trink-Radl“ zu sich nehmen. Da auch der Pallinger Bürgermeister Jahner mit dabei war, durfte der auch gleich entspannt auf dem Radl fahren, während die anderen rundherum an den Schläuchen saßen. Leider stellte sich heraus, dass die beiden Quizkandidaten nicht ganz so sicher waren bei den Fragen (oder waren sie etwa doch zu schwer – aber dass in einen B-Schlauch 88,4 Liter hineinpassen, ist ja eigentlich Feuerwehrgrundwissen), so dass das Rad einige Male bemüht werden musste – so kam dann auch die Tachinger Bürgermeisterin Haas zu einem Einsatz, indem Sie den Pallinger Kollegen Jahner beim Fahren ablöste.

Nachdem das überstanden war, brachten die Pallinger als ersten Verhandlungsvorschlag ein Fassl Bier – das müsse doch für die Tachinger Wehr reichen. Die Tachinger Bürgermeisterin musste es dann auch anzapfen – ganz nach dem Motto „Ladies first“. Doch schnell war das Fassl leergetrunken, und auch eine weitere Erhöhung um einige Proseccos wurde von der doch vermehrt männlichen Versammlung mehrheitlich verweigert. Schweren Herzens boten Jäger und Perschl dann eine Halbe Bier pro Mann am Festtag. Da die Verhandlungen hier schon zäher wurden und ein weiteres Entgegenkommen ohne mehr Druck unwahrscheinlich schien, mussten Jäger und Perschl auf schon mal vorsorglich vorbereitete Holzscheitel probeknien. Das Tachinger Gegenangebot über 500 Maß, eigener Barbereich mit Stripperin konnte man leider nicht nachkommen – schließlich gibt es laut Perschl seit den Schurkenpartys ein quasi offizielles „Stripperverbot“ – was Bürgermeister Jahner auch bestätigte. Die Aussicht, dass die spitzigen Scheitlel ab einem Stand von 100 Maß etwas abgehobelt würden, lies das Pallinger Angebot noch etwas in die Höhe schnellen. Mit den angebotenen Hobeln waren die Pallinger aber nicht zufrieden, sie hätten einen eigenen dabei, den sie auch präsentierten. Doch die Tachinger konfiszierten sogleich das Hobelmesser, und nahmen das Hobeln selbst in die Hand – natürlich ganz vorsichtig, damit möglichst wenig von der scharfen Kante beschädigt würde.

Doch dann war auch schon wieder ein Stillstand in den Verhandlungen zu spüren. Man merkte schon, dass der Festleiter Stefan Perschl gleichzeitig der Kassier der Pallinger Wehr ist, ein scheinbar sparsamer noch dazu. Also musste weitere Verstärkung auf die Bühne, dann schließlich mit den beiden Kommandanten, der Patenbraut Magdalena Gschirr, dem 2. Vorstand, Schriftführer, dem 2. Kassier (weil so große Ausgaben müssen ja schließlich besprochen werden) und schließlich auch noch dem ehemaligen 2. Vorstand dann auch zahlreich kommen musste. Mit soviel Verstärkung wurde das Angebot schließlich auf 165 Maß erhöht. Der dann noch herbeigerufene Bürgermeister Jahner erkannte aber das Problem sofort und erhöhte, unter Beifall der Tachinger, das Angebot schließlich auf 200 Maß.

Aber auch hier ließen sich die Tachinger Verhandlungsführer noch nicht erweichen, worauf von der Schlossbrauerei Stein auch noch eine Brauereiführung für die Vorstandschaft ausgelobt wurde.

Doch nach einem langen Musikstück waren die Knie der Pallinger (wohlgemerkt: nicht präpariert – was von der Tachinger Patenbraut Sina Stockhammer geprüft wurde) wohl ziemlich strapaziert, worauf sie auf 300 Liter Bier, einen Heimfahrservice und einen Extra-Barbereich für die Tachinger Wehr erhöhten. Und – ein zweites 30 Liter-Fassl hätten sie für jetzt auch noch dabei. Damit waren auch die Tachinger zufrieden, so dass unter tosendem Applaus die Patenschaft für 2018 besiegelt werden konnte. Bürgermeister Jahner meinte zum Abschluss, dass das einer der interessantesten Martinszüge war, den er je erlebt habe und wünschte der Pallinger Wehr ein schönes Fest. Abschließend wurden dann zum Ausklang noch gemeinsam einige Strophen von „Ich geh mit meiner Laterne“ gesungen, bevor das Patenbitten mit einem gemütlichen Beisammensein ausklang- wobei sich der Ausklang bis in die Morgenstunden hinzog. // RJ //